Amazonen-Aufstand


Am Ostermontag, von leichter Langeweile und Post-Schokohasen-Trägheit geplagt, las ich auf einem meiner Lieblingsblogs, dass Amazon.com Bücher mit vermeintlichem „Adult Content“ (Erwachsenenthemen klingt seltsam) aus seinen Rankings und Listen streiche. Betroffen seien Bücher wie Annie Proulx „Brokeback Mountain“ und „Wetlands“ (die Feuchtgebiete-Übersetzung). Umso mehr Titel gefunden wurden, umso seltsamer schienen die Auswahlkriterien. Vermeintlich waren vor allem Titel mit schwulen und lesbischen Themen von der „Listensäuberung“ betroffen.
Das fazinierende an der Aktion war allerdings, dass innerhalb von Stunden ein regelrechter Twitter-Sturm losbrach und #amazonfail zum heißdiskutiertesten Thema des Wochenendes wurde. Wie bereits gesagt, war mir etwas langweilig und ich dachte: frag ich doch einfach mal bei Amazon Deutschland an. Heute kam die Antwort:


Guten Tag Frau Scholz,

vielen Dank für Ihr Schreiben an Amazon.de.

Bitte entschuldigen Sie unseren Fehler. Tatsächlich liegt hier ein unerfreulicher und ärgerlicher Katalogfehler für ein Unternehmen vor, das größten Wert darauf legt, seinen Kunden die größtmögliche Auswahl zu bieten.

Es wurde irrtümlich berichtet, dass sich der Fehler nur auf Schwulen- und Lesbenliteratur bezog, tatsächlich waren insgesamt 57.310 Bücher in einer Reihe von Kategorien wie Gesundheit, Körper & Seele, Fortpflanzung, sexuelle Medizin und Erotik betroffen. Der Fehler wurde nicht nur in den USA sondern weltweit festgestellt. Er beeinträchtigte die Darstellung des Verkaufsrangs von Titeln, die zudem nicht mehr in den Ergebnislisten der Amazon-Produktsuche auftauchten.

Für viele Titel wurde der Fehler bereits behoben und wir sind dabei, den Fehler auch für die verbleibenden Titel schnellstmöglich zu korrigieren. Darüber hinaus beabsichtigen wir die Einführung neuer Maßnahmen, um dieser Art von Fehler in der Zukunft noch stärker vorzubeugen.

Wir danken für Ihr Verständnis.

Auch wenn sich langsam bei mir die Aktivistengruppen sammlen, sowas geht echt gar nicht, irgendwie scheint mir die Erklärung mit dem Katalog-Fehler etwas schwammig… Was meint ihr?
Aber eigentlich offenbart das Ganze vor allem das Problem, dass wir uns viel zu oft von „Ihnen könnte auch gefallen“, „Käufer die X kauften auch Y“ und Listenrankings bestimmen lassen …
Daher eine Buchempfehlung von Mensch zu Mensch: „The melancholy death of oyster boy“ von Tim Burton

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