Die Früchte der Feminisierung der PR-Branche

Mann, bin ich stolz. Da studiert man, macht Praktika, arbeitet mit Herzblut, um endlich das zu erreichen, wovon jede „PR-Lady“ träumt: Eine Einladung, sich als Miss Media bei W&V und Cosmopolitan zu bewerben.
Da heißt es:
„Bewerben Sie sich und sagen Sie uns, warum Sie im Job stark, smart und sexy sind. Oder warum Ihre Kollegen Sie für stark, smart und sexy halten.“
Ähm ja, „stark“ okay, „smart“ auch, aber warum bitte „sexy“? Gehen Cosmo und die W&V davon aus, dass alle Frauen in der Kommunikationsbranche nach diesem Attribut streben (müssen)? Oder ist das nur ein sneaky Trick von Cosmopolitan, um erfolgreiche, attraktive Frauen für ein Feature zu finden? Wie sagte schon die fiktive VogueRunway-Redakteurin Miranda Priestley in The Devil wears Prada:
„I saw all the pictures that he sent for that feature on the female paratroopers and they’re all so deeply unattractive. Is it impossible to find a lovely, slender, female paratrooper? Am I reaching for the stars here? Not really.“
Preis ist immerhin „ein Feature in COSMOPOLITAN. Zusätzlich schenken wir der Miss Media einen Air Berlin-Flug für zwei Personen nach New York.“
Traurig zu wissen, dass es offensichtlich nicht den gleichen Druck oder Bedarf an einem „Mister Media“ gibt. Denn ist der stark, smart und macht dazu noch einen guten Job, kommt er in die W&V, ohne mandatorisches „sexy“. Oder würdet ihr an dem (meiner bescheidenen Meinung nach) eher sexistisch reduzierenden als nach erfolgreichen Frauen suchenden Wettbewerb teilnehmen? Der Mädchenblog hat übrigens kürzlich einen Aufruf zu „Miss Aggro 2010“ gepostet, wenn das so weiter geht, muss ich mich wohl da bewerben …

5 Kommentare
  1. Sanne says:

    das ist ja so schlecht, dass ich’s schon wieder lustig finde. ich freu mich schon drauf, den namen der gewinnerin zu erfahren. die wird sich ziemlich schnell wünschen, am wettbewerb nie teil genommen zu haben, wenn sie in kürzester zeit zum gespött der webzwonuller wird. smart hält diese person dann wahrscheinlich niemand mehr.

  2. Christian says:

    Warum sollte man bei einer Misswahl nicht darauf abstellen, dass sie sexy ist? Oder verbinde ich das zu unrecht gedanklich mit einem Schönheitswettbewerb?

    Außerdem hat nun einmal Schönheit als Attraktivitätsmerkmal eine andere Bedeutung für Frauen als für Männer, wo es mehr auf Status ankommt. Die Geschlechter sind verschieden. Brüste sind bei einem Mann ja auch nicht schön und Schnurbärte nicht bei Frauen.

  3. eine PR-Lady (leider) says:

    Nicht einmal Cosmopolitan hätte ich so etwas Sexistisches zugetraut und der W&V schon gar nicht. Bitte verbreitet diesen Blödsinn weiter, damit die beiden sich auch außerhalb des Abonnenten-Kreises von W&V zum Gespött machen.

  4. Eva-Maria says:

    Lieber Christian,
    mit Freude habe ich deinen Satire-Blog gelesen, sehr amüsant wie du mit den Geschlechterklischees spielst.

  5. Ingrid Breul says:

    Vielen Dank für diesen Beitrag! Habe nämlich gerade gegoogelt, ob es auch einen Mister Media Wettbewerb gibt…Finde diese Aktion mehr als bedenklich – und irgendwie traurig, dass ein Absender die W&V ist…..

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