I’m CEO… Bitch!

Als die ersten Trailer zu „The Social Network“ durchs Web geisterten, fragten sich wohl nicht wenige, ob die Welt einen Film über Facebook braucht. Ein soziales Netzwerk ins Zentrum eines Kinofilms zu stellen – kann das funktionieren? Es kann. Denn „The Social Network“ ist mehr als die Erfolgsstory eines Web-Hypes. Der Film verhandelt Themen, die so alt sind wie das Geschichtenerzählen selbst: Freundschaft, Loyalität, Macht, Neid, Betrug, Verrat und Hass.

The Social Network Facebook Mark Zuckerberg

Regisseur David Fincher erzählt die Gründungsgeschichte von Facebook – von der Idee eines Campus-internen Netzwerks an der Eliteuniversität Harvard bis zum ersten Meilenstein des millionsten Mitglieds – in einer dramaturgisch gelungenen Verwebung aus Rückblenden und der Parallelmontage zweier juristischer Verhandlungen. Stilistisch hält sich Fincher, den man aus Filmen wie „Fight Club“ als visuellen Visionär kennt, auffallend zurück und konzentriert sich auf die Story und ihre Protagonisten. Der Film ist dabei eine Mischung aus Coming-of-Age-Movie und klassischem Gerichtsthriller, in dessen Zentrum die gleichsam schillernde wie kontrovers wahrgenommene Figur Mark Zuckerbergs steht.

Viel wurde im Vorfeld darüber spekuliert, ob Zuckerberg mit „The Social Network“ bereits im frühen Alter von 26 Jahren ein Denkmal gesetzt, oder ob er eher öffentlich an den Pranger gestellt werden würde. Beides ist nicht der Fall. Dennoch wird „The Social Network“ bestimmt nicht zu Zuckerbergs Lieblingsfilm.

Bereits in der Eröffnungssequenz werden Richtung und Tempo des Films vorgegeben. Zuckerberg (Jesse Eisenberg) eilt über den Campus zu einer Verabredung mit seiner Freundin – rastlos, getrieben. Das Date mit der Freundin wird zum Wendepunkt in Zuckerbergs Leben. Sie macht Schluss, nicht ohne ihm noch mit auf den Weg zu geben, dass er sein Leben lang Probleme mit Frauen haben werde. Nicht wie er denken werde, weil diese ihn für einen Computer-Nerd hielten, sondern schlicht und einfach weil er ein Arschloch sei. Zuckerberg eilt zurück in seine Studentenbude und beginnt sein anarchistisches Hackertreiben. Sein Motor ist Wut – gespeist nicht nur aus der Zurückweisung einer Frau, sondern vor allem aus der Gier nach Anerkennung, danach, in der Liga der Erfolgreichen mitspielen zu dürfen. Nachdem er den kompletten Server der Universität lahmgelegt hat, werden die Brüder Winkelvoss auf ihn aufmerksam – Söhne reicher Eltern und Repräsentanten des Establishments – die ihn als Programmierer für ein Campus-internes Netzwerk gewinnen wollen. Zuckerberg sagt zu, verschleppt in der Folge jedoch die Arbeit daran und vertröstet, während er an einem eigenen Netzwerk arbeitet, die vermeintlichen Partner Woche um Woche. Als Zuckerberg schließlich thefacebook.com öffentlich macht, nimmt das Drama seinen Lauf. „The Facebook“ wird zum Hype, der bald die Uni- und Landesgrenzen sprengt. Die Brüder Winklevoss fühlen sich ihrer Idee beraubt. Was folgt ist ein juristisches Gerangel um geistiges Eigentum, um Anerkennung und Geld, bei dem sich neue Allianzen bilden und alte Freundschaften auf der Strecke bleiben.

Drehbuchautor Aaron Sorkin („The West Wing“) verzichtet dabei darauf, Partei für eine Seite zu ergreifen und beantwortet die Frage nach Recht und Unrecht nicht. Er überlässt es dem Zuschauer, sich ein eigenes Bild machen, wobei es nicht leicht fällt, sich auf die eine oder andere Seite zu schlagen. Echte Sympathieträger fehlen in „The Social Network“ fast völlig. Dennoch kommt Zuckerberg in dem Film am schlechtesten weg. Der Sorkin’sche Zuckerberg ist gleichermaßen Genie wie Soziophobiker, gewiss nicht Held des Films, aber so richtig verachten mag man ihn auch nicht. Man begegnet dem Film-Zuckerberg eher mit einer Mischung aus Bewunderung und Mitleid für einen nach Anerkennung lechzenden Außenseiter und wird sich dabei der Ironie bewusst, dass ein derart sozial inkompetenter Mensch der Welt das größte soziale Netzwerk geschenkt hat.

Wie viel von dem filmischen Abbild Zuckerbergs der Realität entspricht und wie viel davon Fiktion ist, sei dahin gestellt. Zuckerberg hat die Darstellung seiner selbst und die der Entstehung Facebooks selbstredend in den Bereich der Mythen und Legenden gerückt. Fakt ist, dass die Schlammschlacht um die Urheberschaft Facebooks in der Realität auch im Jahre 2010 noch ausgefochten wird. Den Brüdern Winklevoss wurden Anfang des Jahres im Prozess um die Urheberschaft der Facebook-Idee gerichtlich 65 Millionen Dollar zugesprochen.

Für den Film ist die Frage nach dem Wahrheitsgehalt jedoch zweitrangig. „The Social Network“ ist ein spannendes Biopic, gut gespielt, temporeich und elegant inszeniert, atmosphärisch dicht (nicht zuletzt durch den Soundtrack von Nine-Inch-Nails-Mastermind Trent Reznor) und von der ersten Minute an äußerst unterhaltsam. Dass der Film ein Erfolg werden wird, dürfte als gesetzt gelten. 500 Millionen potenziell interessierte Facebook-Mitglieder werden die Kinokassen mit Sicherheit klingeln lassen. Und die ganze Aufregeung in der realen Welt dürfte dem Erfolg dabei sicherlich nicht im Wege stehen…

„The Social Network“ – ab 7. Oktober im Kino.

Und zum Schluss noch ein Blick auf the things to come…:

4 Kommentare
  1. Daniel says:

    Gut ist er, der Justin, sehr gut – nein ehrlich, der charismatischste Darsteller in dem Film. Believe it or not.

  2. streamline says:

    Was mich mal interessieren würde ist, ob es diese Visitenkarte, auf die sich der Titel dieses Artikels bezieht, tatsächlich gegeben hat.

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