Knoten in der Korrekturschleife

Vor ein paar Tagen machte eine Panne im Wahlkampf des US-Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney die Runde durchs Web: In die iPhone-App „With Mitt“, in der man vorgefertigte Fotoschablonen nutzen und so eigene Schnappschüsse mit Wahlkampf-Botschaften erstellen und unter anderem auf Twitter und Facebook teilen konnte, hatte sich ein peinlicher Fehler eingeschlichen. Eine der Schablonen hatte den Slogan „A better Amercia“. „Amercia?“ fragte sich der geneigte Nutzer. Hat Romney bereits aufgegeben und tritt nun als Kandidat in einer uns bis dato unbekannten Bananenrepublik an? Wohl kaum. Eher wurde da mal wieder die letzte Korrekturschleife vor Veröffentlichung ein wenig zu schlampig gedreht. Der Spott von Romney-Gegnern war dem Detroiter Multimillionär sicher. Eines hat die App immerhin erreicht: Sie verbreitete sich viral durch die sozialen Netzwerke und Blogs.

Doch die Romney-App ist nicht der einzige Fauxpas, wenn es um Kommunikation im eher technischen Bereich geht. Sehr schön auch das Fundstück einer Kollegin, die bei einem Gewinnspiel der niederländischen Airline KLM mitmachen wollte und bei der Angabe ihres Heimatlandes ins Stutzen geriet: In dem Auswahlmenü hätte sie sich auch mehr als 20 Jahre nach Ende der DDR zur ihrer Herkunft aus „East Germany“ bekennen können. Da sie allerdings aus dem Westen kommt, war das leider nicht mal eine irgendwie (n)ostalgische Option.

Nicht ganz so peinlich, aber ebenso irritierend kam da letztens meine frisch installierte iPhone-App „App des Tages“ daher. Die hat eigentlich den Sinn, kostenpflichtige Apps aufzuspüren, die an einem bestimmten Tag gratis zu ergattern sind. Gleich der erste Tipp für ein vermeintliches Schnäppchen war alles andere als überzeugend, wurde mir doch nahegelegt, eine App für 1,59 € anstatt 0 € downzuloaden. Nur heute kostenpflichtig, morgen musst du dir die wieder umsonst runterladen. Yay!

Leider kann ich mich nicht mehr erinnern, worum es sich genau bei dem nächsten eher unpassenden Glückwunsch handelte. Irgendein Webdienst, der diverse Kommunikationskanäle aggregieren sollte, war das glaube ich. Ich persönlich finde es in diesem Zusammenhang eher nicht beglückwünschenswert, wenn es mir tatsächlich gelungen ist, keinen Kontakt aus einem in den anderen Dienst zu importieren.

Zuletzt noch ein Beispiel aus dem Google-Universum. Ich muss sagen, ich mag Chrome. Das Ding ist schnell, zuverlässig und ich finde es sehr praktisch, dass die Adresszeile des Browsers gleichzeitig als Google-Suchmaske funktioniert. Wenn mir Google (!) Chrome aber nach der Eingabe von Suchbegriffen in eben jene Adresszeile vorschlägt, Google (!!) zu benutzen, da www.google.com (!!!) gerade nicht gefunden wurde, äh, dann weiß bzw. wusste ich tatsächlich auch nicht weiter.

Was lernen wir daraus? Schlussredaktionen, Korrekturschleifen und Lektorate haben einen Sinn. Uns als Kommunikations-Dienstleister kann das hier und da schon mal nerven, aber es hilft, solcherart Unsinns-Kommunikation zu vermeiden. Auf der anderen Seite: Ein wenig Spaß würde uns in einer völlig durchkorrigierten Welt dann doch abgehen. Meint ihr nicht?

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