Influencer-Marketing: 1.000 $ für einen Buchstaben

Dass Celebrities, Filmstars und Sportler mittlerweile mit ihrem Tun und Schaffen irrwitzige Summen verdienen, ist uns allen bewusst. Die Grenzen, die jedoch US-Basketballer Lebron James in den vergangenen Monaten niedergerissen hat, lassen uns zugegebenermaßen ein klein wenig sprachlos dastehen. Hier werden nicht nur vom Verein astronomische Summen für seine sportliche Leistung hingeblättert, sondern ebenso von Brands, für die Lebron als gut geölte Werbeikone unter anderem zum Smartphone greift und dann in mageren 140 Zeichen seinen Jüngern essenziellste Weisheiten verlautbart. Werbeverträge auf Lebenszeit von Sportausstattern wie Nike nimmt er übrigens so im Vorbeigehen mit. Handelt es sich hier um eine irrwitzige Entwicklung, die aktuell allein in den kapitalistischen Staaten von Amerika stattfindet oder können wir auch Rückschlüsse auf den Kosmos der deutschen Testimonials, Blogger, Vlogger und Influencer ziehen?

Twitter: Von 10.000 auf 140.000 $ für einen Tweet in fünf Jahren

Bereits im August verkündete Opendorse (eine Online-Plattform, die Vermarkter mit Sportlern zusammenbringt), dass ein einzelner Tweet von Cleveland Cavaliers Superstar Lebron James einen Wert von 139.474 $ habe. Dass er bei einem Angebot dieser Höhe ja sagt, ist damit aber noch lange nicht garantiert. Läuft hier was gehörig falsch oder ist das einfach der Lauf der Dinge? 2009 wurde noch diskutiert, ob 10.000 $ für einen Tweet von Kim Kardashian überzogen seien. Ein Betrag, über den man in den Staaten mittlerweile schmunzelt. Natürlich darf man nicht außer Acht lassen, dass Twitter in den USA von einem deutlich höheren Bevölkerungsanteil aktiv genutzt wird, als dies in Deutschland der Fall ist. So schart Lebron James a.k.a. King James sagenhafte 26 Millionen Follower hinter sich, weswegen Opendorse CEO Blake Lawrence argumentiert, dass man für eine entsprechenden TV-Spot mindestens das Fünffache zahlen müsse. Offen bleibt dabei, ob in dieser Rechnung von einer bezahlten oder einer organischen Reichweite ausgegangen wird – und wie hoch letztere im Fall Lebron James tatsächlich ist. Denn dass Follower ≠ Reichweite ist, dürfte klar sein. In Deutschland werden diese monetären Sphären aber wie gesagt wohl noch für längere Zeit Utopie sein.

Influencer-Marketing: Konzerne buhlen um Blogger und Vlogger

Dennoch lässt sich in den vergangenen Jahren auch in Deutschland beobachten, wie zum einen die Bedeutung von Influencern für die Produktvermarktung generell stetig zunimmt und zum anderen damit einhergehend die Summen steigen, die sich die Stars und Sternchen der sozialen Netzwerke für ihre Dienste am Follower bezahlen lassen. Da aber die Zahl der wirklich professionell Agierenden und Reichweitenstarken noch recht übersichtlich ist, treiben die großen und zahlungskräftigen Konzerne beim Buhlen um die Gunst der Influencer zusätzlich die Preise in die Höhe. Die Top-Vlogger und -Blogger können sich also in aller Seelenruhe die Rosinen rauspicken und dabei mit ein wenig Verhandlungsgeschick die aufgerufenen Summen noch weiter steigern.

Quo vadis, liebes Influencer-Marketing der Netzwelt?

Wie so oft hat auch diese Medaille zwei Seiten. Es ist mehr als nachvollziehbar, dass die Profis im Netz, die mit ihren Präsenzen zum Teil ihren Lebensunterhalt bestreiten, Geld für Kooperationen verlangen. Das ist bei etablierten Printmagazinen oder TV-Shows gängiges Prozedere und führt dort zu Recht auch zu keiner hysterisch geführten Diskussion. Diese wird aber aktuell vor allem hinsichtlich erfolgreicher YouTuber wie Bibi oder Dagi Bee geführt.

Teilweise mag einem diese Debatte überzogen vorkommen, da hier Jugendphänomene lediglich in neuem Rahmen stattfinden, dies jedoch von manch einem sofort wieder mit apokalyptischem Unterton und erhobenem Zeigefinger als das Böse in pinken Rüschen und nach Bodylotion duftend bezeichnet wird. Dennoch liegt im Umgang mit dieser neuen Werbe- und Marketingform noch so einiges im Argen, das ist ganz klar. Es braucht zu allererst klare Richtlinien, die „Schleichwerbung“ als solche kennzeichnen, denn selbst unter den Teenie-Jüngern greift die Produktübersättigung um sich und die viel beschworene Authentizität à la „Also diesen Mascara find ich persönlich ganz toll, weil der meine Augen so schön betont und das gefällt meinem Boyfriend voll gut!“ zieht auch hier nicht mehr bei allen.

Es sei den Bloggern und Vloggern gestattet, dass sie in den letzten Monaten nach dem Prinzip Alles-mitnehmen-was-geht agierten. Das wird in der Form aber nicht mehr lange gutgehen, denn die Fans selbst werden hier zum mächtigsten Regulativ avancieren. Spätestens wenn die YouTube-Channels ihrer Lieblinge gänzlich zu QVC-Kanälen der Online-Welt verkommen, wird die Jagd auf das neue Echte und Wahrhaftige im Netz beginnen. Bis dann auch hier die Marketingbudgets und Werbegeldern den ach so Kreativen die Sinne vernebeln.

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